Autopoiesis,

griechisch, αὐτός autos „selbst“ und ποιεῖν poiein „schaffen, bauen“, und es beschreibt, dass Wesen und Organisationen sich aus sich selbst heraus erschaffen.

Wir stellen uns oft die Frage, was wir tun können, um Mitglieder zu gewinnen und um zu vermeiden, dass wir mehr Mitglieder verlieren. Auch hierzu möchte ich gerne meine Gedanken mit Euch teilen.

Zunächst zum Mitgliederverlust. In den vergangenen Quartalen ist die Anzahl der Mitglieder insgesamt immer weiter gefallen. Natürlich ist das schlimm. Das hat nicht nur finanzielle Konsequenzen sondern auch, dass unsere Parteiarbeit dadurch erschwert wird. Weil sich die Arbeit, die es zu tun gibt, auf weniger Schultern verteilt.

Trotzdem will ich in diesem Zusammenhang auf drei Punkte aufmerksam machen.

  • Viele Piraten haben uns verlassen, weil sie festgestellt haben, dass wir uns nicht in eine linksradikale Richtung drängen lassen und auch nicht deren Umgangsformen übernehmen möchten.
  • In dem Verlust von 10.000 Piraten (Gesamtmitgliedschaften) sind auch diejenigen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt angemeldet haben, aber nicht ihrer Beitragspflicht nachgekommen sind (oder einfach eine Beitragsminderung beantragt haben).
  • Die Zahlen drücken nicht aus, dass wir auch Neuzugänge haben. Menschen die kommen und sagen „Hey! Ihr seid eigentlich die einzige Partei, in der ich mich vertreten sehe, ich möchte bei Euch mitmachen!“.

In den nächsten drei Jahren wird es für die Piratenpartei von existenzieller Bedeutung sein, welche Veränderungen es im Bereich der Mitglieder gibt (Zugänge, Abwanderungen). Zunächst können wir eine weitere Reduktion erwarten, weil noch nicht alle LVs an den Mahnläufen teilnehmen, je mehr das machen, umso mehr „Karteileichen“ werden dabei verschwinden. Aber diese passiven Mitglieder sind keine weitere Verringerung in Aktiven!

Wie bremsen wir die Entwicklung und bauen die Mitgliederbasis wieder auf?

Wir alle müssen jedem von uns die Wertschätzung entgegen bringen, die er/sie verdient hat. Das kam in den letzten Jahren viel zu kurz, es war oft eher das Gegenteil der Fall. Und wir müssen die Motivation jedes einzelnen fördern und ihn im piratigen Mandat unterstützen.

Woher kommt die Motivation? Die Motivation kommt durch das Erleben von Handlungswirksamkeit. Davon zu sehen, dass man Dinge verändern kann und etwas bewirken kann.

Wie gewinnen wir mehr Mitglieder? Weil Freibeuter und Außenstehende sehen, dass Piraten (für die wichtigen Ziele) motiviert sind und Dinge angehen. So gewinnen wir neue Mitglieder und auch Sympathisanten. Weil man uns mit Herzblut und Esprit erlebt, begeistert für die Sache.

Wie können wir die Motivation aufbauen und halten?

Die Antwort scheint komplex, ist es aber nicht ganz. Eher ist es so, dass die Antwort für jeden etwas anderes ist. Der eine möchte gerne ein Manifest schreiben und das in der Partei auf die eine oder andere Art wiederfinden, der andere möchte gerne in der Stadt Hanfsamen verteilen oder gegen die Bundesregierung vor das Verfassungsgericht ziehen. Wir sind alle unterschiedlich und für jeden einzelnen gibt es seine eigene Sache, die ihn antreibt, die ihm am meisten Spaß macht und in der er seine Arbeit als Pirat verwirklicht sieht.

Wir als Bundesvorstand können und wollen dabei unterstützen. Aber es gibt nicht das eine Rezept, was alle auf einen Schlag glücklich machen wird.
Mich motiviert z.B. die Veränderung, die von uns ausgeht. Leute, die am Stand erst kopfschüttelnd weitergehen, und dann zurückkommen und meinen, dass das eigentlich ja doch gar nicht so dumm war, was man gesagt hat. Für Dich ist es vielleicht die Presseerklärung, die Du verfasst und die dein Landesverband über die Mailingliste rausballert oder die auf Facebook geteilt und kommentiert wird – all das sind Dinge, in denen jeder sich in der Arbeit der Piraten wiederfinden kann und in denen man sieht, dass man dazu beiträgt, die Welt piratiger zu machen, die Welt besser zu machen.

Das ist es, was jeden von uns glücklicher macht. Wenn er sieht, dass andere zuhören, dass er etwas bewirkt.

Viele von uns haben das vergessen. Aber es ist ja noch in Euch. Jeder hat etwas, in dem er gut ist oder das ihm liegt, das ihm Spaß macht oder etwas, das er einfach ausprobieren möchte. Macht das einfach und schaut was passiert.
Aber dazu kommt: Wir wissen zu wenig von den Erfolgen der einzelnen, von anderen Piraten. Wir erdrücken uns in Negativität, wenn es gleichzeitig so viel Erfolgreiches zu berichten gibt. Von dort, wo Piraten einfach machen. Damit jeder einzelne Pirat nicht das Gefühl hat, ein Einzelkämpfer zu sein sondern weiß, es gibt andere, die es ihm gleich tun.

Ich werde nicht mehr zu jedem einzeln kommen und ihm in den Hintern treten. Wer erwartet, dass der Vorstand eine Direktive vorgibt, der kann auch zur SPD gehen oder den Linken, wo es drei Gutsherren gibt, wie Gabriel/Kraft/Steinmeier oder Riexinger/Wagenknecht/Kipping, die sagen „Jetzt bitte alle hier lang“. Wir sind Piraten und wir lassen uns nichts vorgeben.

Ich sage nur: Geht raus, zeigt Euch als Piraten, versteckt Euch nicht. Ich wette mit euch, Menschen werden auf Euch aufmerksam. Und diese Aufmerksamkeit ist es dann, die sich auf uns als Piraten insgesamt auswirkt. Es ist der Beitrag jedes einzelnen im Kleinen, der den großen Scheinwerfer wieder auf uns richtet.

Unsere Aufgabe als Vorstand ist es, dies zu koordinieren, dies zu multiplizieren. Zum einen nach außen, durch Kontakte zu den „großen“ Medien und als Anlaufpunkt, aber auch als Multiplikator nach innen.

Unsere Wut treibt uns auf die Straße, nicht „der Vorstand“. Die Wut über die Erlaubnis von Fracking. Die Wut über eine Verschärfung der Asylgesetze. Die Wut über den nächsten Versuch, die Vorratsdatenspeicherung und Massenüberwachung umzusetzen.

Ich will die Wut in uns sehen, ich will die Glut in uns sehen. Solange wir die haben, solange wir raus gehen, leben wir.

Euer Kristos

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